In Berlin geboren, lebt unsere Autorin Renate Henkel seit 40 Jahren im Raum Böblingen, Baden-Württemberg. Regelmässig bereisen sie und ihr Mann die entlegensten Winkel der Erde, immer auf der Suche nach aussergewöhnlichen Tierbegegnungen und unberührten Landschaften. Seit einigen Jahren arbeitet sie als Reiseschriftstellerin und Naturfotografin. Bitte hier klicken für die Website von Renate Henkel...
Aus Lady Grey in Südafrika kommend, überqueren wir bei Telle Bridge die Grenze
nach Lesotho.
Eine afrikanische Landesgrenze ist immer eine
spannende Sache, man weiß nie so genau, was einen erwartet.
Aber alles geht schnell und problemlos vonstatten, die Beamten sind sehr freundlich.
Niemand verlangt die angeblich vorgeschriebenen zwei Warndreiecke, die wir allerdings auch nicht haben.
Individualtouristen sind nicht sehr häufig und fallen überall auf, vor allem, wenn sie mit einem so ungewöhnlichen Fahrzeug kommen wie wir.
An vielen Kleinigkeiten merkt man, dass man sich in einem „neuen“ Land befindet. Die Menschen wickeln sich fest in dicke, bunte Wolldecken. Die Männer tragen warme Strickmützen. Alle winken uns zu, wir können eine Hand gleich oben lassen zum Grüßen.
Die Kinder, sogar die Babys, winken erst, dann halten sie bittend die Hand auf. Das kleine Königreich Lesotho liegt zwischen 1000 und 2000m hoch. Die klare Bergluft erlaubt weite Ausblicke auf immer neue Bergketten, dazwischen grüne, liebliche Flusstäler, dunkelbraunes Ackerland und auffällige, riesige, rotbraune Erosionsnarben.
Letztere sind die Folge von Abholzung und Überweidung und eins der großen Probleme des Landes. Die drohenden Gewitterwolken verziehen sich, zu unserer Freude kommt die Sonne hervor und erlaubt uns wundervolle Aufnahmen der spektakulären Landschaft.
Wir verlassen bald die asphaltierte Hauptstraße und mühen uns über recht gute, manchmal steinige und holprige Nebenstrecken durchs Hinterland. Malerische, strohgedeckte Rundhütten schmiegen sich an die steilen Hänge. Ein Bauer müht sich ab mit seinem Ochsengespann, ein LKW wird im Fluss gewaschen.
Bei unserer kurzen Lunchpause am Straßenrand klopfen vier deutsche Studenten an die Autotür. Nicht zu fassen, dass man am Ende der Welt schon wieder auf Deutsche trifft! Ihr Ziel ist auch die Malealea- Lodge, wir werden sie dort wiedertreffen.
Die Lodge ist ein nettes Plätzchen mit internationalem Publikum. Wir stehen auf der etwas schlammigen Campingwiese, es hat letzte Woche ohne Pause geregnet. Das Duschwasser ist braun. Die Nacht ist schweinekalt, wir heizen die Kabine kräftig durch und kuscheln uns nach gutem Abendessen in die warmen Schlafsäcke. Orion und Sirius scheinen uns durchs Dachfenster ins Gesicht.